Berufsunfähigkeitsversicherungen für Azubis und Studenten im Test

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte heutzutage jeder Arbeitnehmer und auch jeder Selbstständige haben, um im Fall der Fälle seinen gewohnten Lebensstandard aufrecht erhalten zu können.

Doch nicht nur, wer bereits mit beiden Beinen im Berufsleben steht, sondern auch junge Menschen, die sich erst auf dem Weg dorthin befinden, sind nicht davor gefeit, plötzlich und völlig unerwartet körperlich oder psychisch so stark eingeschränkt zu sein, dass die Fortsetzung beispielsweise einer Ausbildung oder eines Studiums nicht mehr möglich ist.

Kein vollwertiger Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung
Zwar lässt sich zumindest das Risiko, durch einen Unfall den angestrebten Beruf nie ausüben zu können, mittels einer Unfallversicherung absichern, doch zahlt diese Police nicht, wenn man krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten kann. Weil junge Menschen überdies nicht einmal Anspruch auf die ohnehin nur sehr geringe Erwerbsminderungsrente des Staates hätten, wenn es während der Ausbildung zu einer Berufsunfähigkeit kommt, bietet einzig eine separate Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich vollwertigen Schutz vor einem sozialen Absturz.

Frühzeitiger Abschluss empfehlenswert
Während eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler aufgrund schlechterer Bedingungen nur selten Sinn macht, sollten sich junge Leute nach Aufnahme von Studium oder Ausbildung schon deshalb frühzeitig nach einem Berufsunfähigkeitsschutz umsehen, weil die Tarife umso günstiger sind, je eher die Police abgeschlossen wird. Zudem warten viele Versicherer mit speziellen Angeboten für junge Leute auf, die in den ersten Jahren einen deutlich reduzierten Beitrag vorsehen und über die gesamte Vertragslaufzeit nicht teurer sind als bei einem späteren Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn je später man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, desto höher werden die jährlichen Beiträge sein.

Ein frühzeitiger Abschluss der Police ist auch deshalb ratsam, weil man in jungen Jahren in der Regel noch wenig körperliche Beschwerden hat und so um eventuelle Risikozuschläge herumkommt. Je älter man wird, umso größer ist das Risiko, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung teuer wird oder dass das Versicherungsunternehmen gewisse Bereiche vom Vertrag ausschließt.

Stiftung Warentest nimmt 25 Tarife für junge Leute unter die Lupe

Natürlich gibt es bei Berufsunfähigkeitsversicherungen von Anbieter zu Anbieter zum Teil gravierende Unterschiede sowohl beim Leistungsumfang als auch beim Preis. Die Stiftung Warentest hat in der Ausgabe 3/2012 des Magazins “Finanztest” deshalb 25 Spezialtarife für junge Leute unter die Lupe genommen, die von vornherein gewisse Voraussetzungen erfüllen mussten, ohne die eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht sinnvoll ist.

So wurden nur Policen getestet, die sowohl bei krankheits-, unfall- und verschleißbedingter Berufsunfähigkeit die vereinbarte Rente bezahlen und keine dieser drei Möglichkeiten von der Leistung ausschließen. Dabei ist zu bemerken, dass alle getesteten Policen schon bei der Unfähigkeit, den angestrebten Beruf auszuüben greifen und nicht erst bei einer generellen Erwerbsunfähigkeit, also wenn der Versicherungsnehmer überhaupt nicht mehr arbeiten könnte. Zugleich enthalten alle von der “Finanztest” bewerteten Angebote bei Eintritt bestimmter Ereignisse wie beispielsweise dem Abschluss der Ausbildung eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung und von Beginn an einen Verzicht auf eine sogenannte abstrakte Verweisung.

Aufgrund der hohen Anforderungen der “Finanztest”, um überhaupt in den engeren Kreis zu kommen, werden alle getesteten Policen grundsätzlich als empfehlenswert eingestuft, wobei alle Angebote auf eine Monatsrente in Höhe von 1.000 Euro und eine Laufzeit bis zum 67. Geburtstag ausgelegt wurden. Ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung für einen Tarif ist bei relativ gleichen Leistungen nun natürlich der Preis, bei dem deutliche Unterschiede zutage treten.

Axa, Barmenia und Allianz mit den günstigsten Angeboten
Für Studierende besonders empfehlenswert sind aufgrund des günstigen Preises die Policen der Barmenia und der Allianz. So bezahlen männliche Studenten bei der Barmenia einen Jahresnettobeitrag von 366 Euro und Frauen kommen bei der Allianz auf 421 Euro jährlich, wohingegen andere Anbieter für vergleichbare Policen zum Teil mehr als das Doppelte verlangen.
Bei den Auszubildenden sticht vor allem das Angebot der Axa positiv hervor. Männliche Azubis erhalten schon für einen Jahresbeitrag von 378 Euro einen umfassenden Schutz, während auch hier die Frauen mit 483 Euro etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Mit Ausnahme der Alten Leipziger, die ähnlich günstig ist, fallen die Beiträge bei allen anderen Anbieter deutlich höher aus.

Vorsicht bei Starter-Policen

15 der insgesamt 25 Anbieter im Test bieten neben einer klassischen Berufsunfähigkeitversicherung mit gleichbleibenden Beiträgen über die gesamte Laufzeit hinweg für junge Leute sogenannte Starter-Policen mit anfangs geringen, dann aber stetig steigenden Beiträgen an. Weil in diesem Fall mit steigendem Alter deutlich höhere Beiträge bezahlt werden müssen, sollte man so schnell wie möglich vom Starter-Tarif in den Normaltarif wechseln. Dieser Wechsel erfolgt nach meist fünf oder zehn Jahren automatisch, ist dann aufgrund des höheren Alters aber mit höheren Beiträgen verbunden, sodass man bereits frühzeitig wechseln sollte, wenn man zu Beginn der Ausbildung nicht die Möglichkeiten hat, eine klassische Berufsunfähigkeitversicherung zu finanzieren.

Kombination mit anderen Versicherungen meist nicht sinnvoll
Viele Versicherer bieten neben einer reinen Berufsunfähigkeitspolice auch Kombi-Produkte aus mehreren Einzelversicherungen an. So kann der Schutz vor Berufsunfähigkeit beispielsweise an eine Risiko-Lebensversicherung oder diverse Altersvorsorge-Produkte gekoppelt werden, wobei die Experten der “Finanztest” letztere Möglichkeit für wenig sinnvoll erachten und wenn dann nur die Kombination aus Berufsunfähigkeits- und Risiko-Lebensversicherung empfehlen.

Darüber hinaus bieten sich auch bei einer reinen Berufsunfähigkeitspolice oft verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Verwendung der Unternehmensüberschüsse, die dadurch erzielt werden, dass die Versicherer mit höheren Beiträgen kalkulieren als eigentlich nötig wären. Zur Auswahl stehen bei einigen Anbietern die Optionen der Beitragsverrechnung und der Ansparung beispielsweise in Form von Fonds. Die “Finanztest” rät dazu, sich für die Verrechnung der Überschüsse mit den anfallenden Beiträgen zu entscheiden, umso unmittelbar in Form einer geringeren monatlichen Belastung zu profitieren.

Genaue Prüfung vor Vertragsabschluss
Hat man aus allen Anbietern mehrere in die engere Wahl genommen, sollte bei allen ein konkretes Angebot angefordert werden. Bei den meisten Unternehmen ist dies problemlos über spezielle Eingabeformulare auf der Webseite möglich. Falls nicht, kann per E-Mail oder auch per Post ein Angebot beantragt werden, indem alle wichtigen Eckpunkte wie Geburtsdatum, Geschlecht, Laufzeit des Vertrages, monatliche Wunschrente, Beruf und Rauchgewohnheiten gemacht werden.

Sind dann alle konkreten Angebote eingetroffen, kann man sich in Ruhe für das individuell am besten passende entscheiden. Ganz wichtig ist es, alle Angaben, vor allem auch die Antworten auf die Gesundheitsfragen genau zu überprüfen, da bei falschen Antworten nachträglich der Versicherungsschutz verloren gehen kann und man unter Umständen im Fall der Fälle mit leeren Händen da steht.

Fazit: Rechtzeitig um den unerlässlichen Schutz kümmern

Angesichts der durchweg hohen Qualität der Angebote der einzelnen von Stiftung Warentest ausgewählten Versicherungen, kann man in dieser Hinsicht keine falsche Wahl treffen, wobei man natürlich auch ein Auge auf den Preis haben sollte. In jedem Fall sollten gerade junge Leute aber den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht auf die lange Bank schieben, sondern frühzeitig handeln und sich dauerhaft günstige Beiträge sichern, um nicht in höherem Alter, wenn dieser Schutz noch mehr benötigt wird, sehr tief in die Tasche greifen zu müssen.